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der bekannte Kunstkritiker Dr. Martin Kraft aus Zürich schrieb >>>>>>

....und zu den Installationen >>>>>>>

.....und über den Unternehmer als Künstler>>>>>>

der in Italien bekannte Kunstkritiker Professor Renato Civello schrieb >>>>>>>>

Schauen und Erkennen

D
ie künstlerische Begabung war schon in der Schulzeit unübersehbar. Aber zum Beruf machte Picchio die Kunst erst nach Jahrzehnten erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit. Diese hat mit jener scheinbar nur wenig zu tun. Und doch hat der Unternehmer Fähigkeiten und Qualitäten gezeigt, die nun so oder ähnlich auch diejenigen des Künstlers sind: Kreativität, Ideen- und Erfindungsreichtum ganz allgemein, im besonderen eine ausgeprägte räumliche Vorstellungskraft, ein starkes optisches Gedächtnis.

Genaues Schauen und Erkennen als Voraussetzung der Kunst: Als Picchio ins Tessin kam und, begeistert von ihrer Schönheit, die Dörfer zu malen begann, fiel ihm als Erstes die Segmentierung ihrer eng verschachtelten Architektur auf, ihre optische Auflösung in vertikalen Streifen, oder in diagonale, wenn man sie in Bezug zu ihrer bergigen Umgebung setzt. Damit fand er auch schon seinen Segment-Stil. Und Stil hat sein besonderes Gewicht bei einem Künstler, dessen erklärtes Prinzip es ist, die Wirklichkeit zu verwandeln und nicht realistisch abzubilden.

Denn Letzteres ist Aufgabe der Fotografie, die er zwar professionell beherrscht und die ihn doch weniger fasziniert, die mit der Malerei auch bei gemeinsamer Thematik  - Blumen vor allem - keinen direkten Zusammenhang hat, höchstens den indirekten, dass Abstraktion der Fotografie in strengem Sinne verwehrt bleibt. Und dann ist es natürlich besonders spannend zu verfolgen, wie die genau beobachtete Blume in der Reduktion des Malers eine geometrische Ordnung erhält, die auf ihre naturwissenschaftliche Gesetzmässigkeit verweist.

Und zur Abstraktion drängt Picchios Malerei in fliessenden Übergängen, die das Thematische nebensächlich erscheinen lassen und zugleich bewusst machen, dass beispielsweise auch die Farbe Blau ein Thema sein kann. Grenzen verschwimmen, wenn die sich im Wasser spiegelnde Silhouette einer Grossstadt wie New York in einem anderen Bild unmerklich übergeht in die reine Konstruktion. Auch Räumliches ist schon angelegt im pastosen Auftrag der Acrylfarbe mit dem Spachtel, der das Bild unmerklich zum Relief werden lässt.

Die Farben werden unvermischt aufgetragen und verbinden sich erst im Auge der Wahrnehmenden, im Sinne des Divisionismus, zur entsprechenden Farbwirkung - womit diejenigen, die es betrachten, um so stärker ins Bild einbezogen werden. Und damit ist der Weg frei zur dritten Dimension, zu den eigenwilligen Bildobjekten, zu denen der Künstler unterschiedlich bemalte Platten in modularem Einheitsformat zu immer neuen Installationen zusammenfügt, die je nach Standpunkt einen ganz anderen Anblick bieten.

Die Freude an der Farbe - ja, an kräftigen Farben - und der Form ist der Antrieb des lustvoll arbeitenden Künstlers, die Freude auch des Natur- und Kunstfreundes an der täglich erwanderten Tessiner Kulturlandschaft, ihrer Dörfer und insbesondere ihrer Blumen. Aber alles kann zum Thema werden für den nach wie vor der Welt der Wirtschaft nicht Entfremdeten, der selbst eine konkrete Auftragsarbeit aus Unternehmerkreisen ohne Berührungsängste als willkommene Anregung annimmt - unter der selbstverständlichen Voraussetzung, dass er einen solchen Auftrag nur akzeptiert unter der Bedingung, die vorgegebenen Ideen auch und gerade im monumentalen Format in künstlerischer Freiheit anzugehen. Da können dann industrielle Verfahren, dank einer intimen Vertrautheit mit ihnen, zu suggestiven Bildfindungen führen. Oder es entstehen Collagen, Assemblagen, in denen Geldnoten und -stücke oder Ausschnitte aus Wirtschaftszeitungen als symbolträchtige Bildträger plötzlich eine zugleich kritische und poetische Aussagekraft gewinnen.

Damit hängt zusammen, dass keines von Picchios Werken sich allmählich aus gestischer Intuition ergibt, sondern jedes von Anfang an ganz klar im Kopf vorhanden ist und, aufgrund einer vorhandenen Skizze, nur noch realisiert werden muss. Dies entspricht dem zupackenden Temperament des seine Arbeit gezielt organisierenden Künstlers. Und wenn solche Skizzen ebenso wie die bereits realisierten Arbeiten im Computer gespeichert sind, erweist sich der Künstler bei allen instinktiven Zügen seines Schaffens auf der Höhe seiner Zeit. Er gewinnt wesentliche Impulse eben daraus, eine einmal erprobte Bildidee unter technisch erleichterten Bedingungen serienhaft zu wiederholen und zu differenzieren: etwa den phantastischen Blick über die wolkenbedeckten Gipfel der Alpen bei deren Überflug zu wechselnden Tages- und Jahreszeiten.

Und wenn immer wieder das Nächstliegende - die Tessiner Natur ebenso wie die Anforderungen der Geschäftswelt - zur Anregung werden kann, so darf dies auch die Sprache sein. Vermutlich war es die neugierige Frage eines Enkels, ob er denn auch Graffiti gestalten könne, welche Picchio auf die Idee seiner Sprachbilder brachte. Auch sie sind primär Anschauung, optische Vergegenwärtigung - paradoxerweise von Phänomenen, die so sinnlich-suggestiv umgesetzt sind, dass ihre verbale Benennung fast hinfällig wird.Durcheinanderwirbelnde Buchstabenteile vermitteln das Lebensgefühl des Jazz, in glühenden Farben verschnürte dasjenige von Sex. Und die Bestandteile des Wortes Stress sind so furchterregend ineinander verknotet, dass wir in ihnen ein uns alltäglich bedrohendes Lebensgefühl hautnah transponiert sehen.

Martin Kraft

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Zu den Installationen von Picchio

Wie schon seine Skulpturen lassen sich auch die neuen flexiblen Wandinstallationen von Picchio auf seine Malerei beziehen, nur geht er mit ihnen noch einen Schritt weiter. Das malerische Prinzip der Segmentierung, der Strukturierung des Bildes durch Streifen, überträgt er nun auf vollplastische Bildkörper, Holzkuben im modularen Einheitsformat, auf die er die Acrylfarbe ebenfalls mit dem Spachtel aufträgt. Einzeln aufgestellt, was an sich durchaus möglich ist, könnte man sie als Stelen bezeichnen. Doch die Idee ist eigentlich eine andere, zielt in Richtung einer ganz auf die jeweilige Raumsituation bezogenen variablen Installation. Denn die einzelnen
Stelen lassen sich, vorzugsweise zu mehreren, beispielsweise in beliebiger Kombination und Schrägstellung an eine Wand lehnen. Sie sind frei beweglich, können nach Belieben auf den Kopf gestellt, um die eigene Achse gedreht und wie auch immer im Raum verschoben, im Extremfall sogar wieder wie ein Bild an die Wand gehängt werden.

Angesichts dieser unbegrenzten Variations- möglichkeiten werden Betrachtende beziehungsweise Besitzende nun selber zum Teil der Installation. Denn der Künstler kann wohl eine bestimmte Anordnung vorschlagen, will sie aber keineswegs vorschreiben. Und wesentlich ist ja nicht zuletzt die zeitliche Dimension solcher Installationen, die sich jederzeit um Nuancen oder von Grund auf verändern lassen. Aber auch räumlich unverändert reagieren sie, gerade in ihrer teils monochromen Farbwirkung, besonders stark auf das Licht. Mit der stetigen heimlichen Aufforderung, sie neu zu ordnen, strahlen sie eine spielerische Heiterkeit aus. 

Martin Kraft 
 

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Ein Unternehmer wird Künstler

Der künstlerische  Werdegang von Picchio (Dieter Specht) ist wohl einmalig. Vierzig Jahrelang war er erfolgreich in der Leitung des von ihm mitbegründeten Unternehmens, der Interroll Gruppe in Deutschland und in der Schweiz (in S.Antonino/Tessin) tätig. Zwar hatte sich seine große künstlerische Begabung schon in seiner Jugend gezeigt; aber es blieb in all den Jahren wenig Zeit, ihr nachzugehen. Dann jedoch zog er sich aus dem Unternehmen zurück, um von nun an als Künstler ebenso professionell zu arbeiten. Das scheinen zwei schwer miteinandervereinbare Welten zu sein. Picchio macht indessen deutlich, dass entscheidende Qualitäten, die er als Unternehmer bewies, auch diejenigen des Künstlers sind: Kreativität, Produktivität, Innovationsgeist, Phantasie, Vision, die Fähigkeit zum räumlichen Denken. Und er betreibt seinen neuen Beruf im wesentlichen genau wie seinen alten: lustvoll, professionell, mit vollem Einsatz. Dass er lange abseits vom Kunstbetrieb stand, erweist sich nun ebenfalls als Vorteil: Dies hat ihm die Unbefangenheit gesichert, unabhängig von Trends und Moden seinen persönlichen Stil zu finden, zu erfinden.

 

Auch als Künstler hat Picchio den Kontakt zum Unternehmertum nicht abgebrochen. Ohne Berührungsängste kann er Auftragsarbeiten aus Wirtschaftskreisen annehmen und gerade deshalb so gut erfüllen, weil ihm diese Welt nicht fremd ist - dies alles unter der selbstverständlichen Voraussetzung, dass ihm trotz der vorgegebenen Thematik volle künstlerische Freiheit gewährt wird. Der professionellen Schaffensweise des Künstlers entspricht seine planvolle Öffentlichkeitsarbeit. Er weiß, dass sich gerade großformatige Arbeiten nicht an einem völlig beliebigen Ort platzieren lassen, sondern den Kontakt zu ihrer Umgebung suchen. Kunst am Arbeitsplatz ist ein wesentlicher Teil der Unternehmenskultur. Sie kann entscheidend zur guten Atmosphäre in einem Betrieb beitragen, was den Mitarbeitern ebenso zugute kommt wie den Besuchern. In beiden Welten gleichermaßen zuhause, fungiert Picchio hier auch als idealer Berater und Vermittler.

Martin Kraft
 

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Instinkt und Strenge
In einer Galerie, in der ständig an einer Auswahl für eine gute Ausstellung gearbeitet wird, eröffnet Tondinelli in der Via Quattro Fontane in Rom, am Mittwoch die Solo-Ausstellung des berühmten deutschen Künstlers, Picchio [Dieter Specht], der in Arcegno (im Kanton Ticino/Schweiz) wohnt und arbeitet....
Der Titel der Ausstellung heißt "Segments" und könnte zu falschen Vorstellungen führen: etwa  könnte an geometrische Aufteilungen der gemalten Oberfläche  gedacht werden, ähnlich wie in die ersten Dekade des letzten Jahrhunderts durch die Gruppe des so genannten „goldenen Session“, mit Leger, Metzinger, Fresnaye und anderen eine Erfahrung gesehen wurde, die den Übergang vom analytischen Kubismus zum synthetischen kennzeichnet.
Aber die komplizierten Operationen von Geometrie und Mathematik, die sich in gewisser Weise sogar in meditierten Abstraktzionismus und sogar in Dada darstellen, sind im Wesentlichen in der Malerei von Picchio [Dieter Specht] unbekannt.
 

 Hier ist weder Abenteuer noch Kodierung; trotz der genauen Programmierung der Arbeit „sehr gegenwärtig und bestimmt von Anfang bis Ende“, begleitet vom energischen Temperament des Künstlers, bereit, seine eigene Arbeit zu organisieren. Es ist der kreative Instinkt, der schließlich das poetisch-fantastische Resultat hervor bringt. Im übrigen sind seine Werke von einer ausgeglichenen Professionalität  und objektiv anschaulich. 
Ich begrenze mich unter anderem auf Crash, ein sehr schönes Bild, selbst wenn die Bezeichnung Zusammenbruch, Bruch, Knall bedeuten, scheint es im Gegenteil ein empfindliches, leichtes Charisma der Acrylarbeit auszudrücken. Segments, der Titel zur gesamten Ausstellung, veranlasst gegen jede Mutmaßung und launische Erfindung die Idee einer rigorosen Unterlassung des üblichen Klischees einer Nachahmung.

Prof. Renato Civello, Kunstkritiker
in Secolo d’Italia, 1 Febbraio 2004
“Appuntamenti con l’Arte”

 

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